Glückslauf

Baggersee spezial 01

 

Wie kommt das Glück zum Läufer?

 

Als Lauf-Anfänger habe ich nach ein paar sehr anstrengenden Versuchen, eine gewisse Strecke durchzulaufen, schon bald die ersten Glücksmomente erlebt, sei es, weil ich plötzlich die Glühwürmchen entdeckte, die da in der fortgeschrittenen Abenddämmerung zwischen den Zweigen des Gebüsches schwebten, es mir endlich gelang, die Walker-Gruppe nahezu ohne heftiges Geschnaufe zügig zu überholen odereinfach weil die Beine mal besonders leicht in Laufbewegung blieben.

 

Später kamen dann noch Glücksgefühle nach Erreichen eines besonderen Ziels dazu, aber irgendwann breitete sich eine gewisse Gleichgültigkeit aus, die es schwer machte, noch einmal die Momente der Freude wie früher zu erleben. Der „Runners High“ blieb aus, egal wie sehr ich mich bemühte. Höchstens der erste einigermaßen gelungene Lauf nach einer Verletzungspause lockte mir noch ein paar Freudentränen in die Augen und tolle Ergebnisse bei den Rennen sorgten nur noch dafür, mich beim nächsten Mal erneut verbessern zu wollen.

 

Sicher freue ich mich nach einem fordernden Intervalltraining oder nach einem Rennen mit Platzierung oder neuer persönlicher Bestzeit ganz besonders, aber irgendwie verwelkt dieses Glück recht schnell und lässt eine öde, lähmende Leere zurück und alles in mir will wie bei einem Süchtigen sofort wieder ran und irgendetwas besonders Anstrengendes machen.

 

Dagegen half lange Zeit auch nicht meine Strategie, bei den meisten Trainingsläufen nicht oder zumindest nicht allzu genau auf Tempo und Zeit zu achten, häufig ruhigere Wochen einzuplanen und auch einzuhalten, sowie bei Rennen verstärkt auf solche zu setzen, bei denen es schwierig ist, die Zeiten zu vergleichen.

 

Und dann laufe ich nach einer sehr intensiven Woche eine Woche fast gar nicht und heute fängt es bei der halben Strecke an zu regnen und plötzlich verschwimmt der Blick, es folgt ein inneres Gerangel, „konzentrier dich!“, „lass die Tränen laufen!“. Mann, wirst jetzt sentimental?

 

 

1 Gedanke zu „Glückslauf

  1. Mein Lauf-Beginnen liegt zwar schon fast vierzig Jahre zurück und verlief auch komplett anders, doch diesen sehr gut und witzig geschriebenen Tagebuch-Eintrag habe ich mit großem Vergnügen und Mitfühlen gelesen. Wunderbar!

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