Meine liebste Laufstrecke

Wenn ich das Haus verlasse und auf die Straße trete, beginnt sie, meine liebste Laufstrecke.

Gepflastert oder asphaltiert ist sie, immer etwas schräg, manchmal hängt eine Hecke oder ein Strauch im Weg; da muss ich mich ducken, um nicht nass zu werden.

Das Auto stand gestern nicht auf dem Gehweg, ich schau mal rein, 2 Kindersitze, aber ich rege mich nicht auf.

Weiter geht’s durch einen Park mit extra angepflanzten Wildsträuchern, die nicht so recht wachsen wollen. Gut so, dann kann ich sie länger beobachten und außerdem sehe ich auch, wer auf der anderen Seite läuft.

Fast sechs Minuten sind um, ich bin mal wieder schneller, als ich mir vorgenommen habe und jetzt kommt ein Stück mit glattem Boden, ein wenig Schatten und meistens treffe ich da ein paar Bekannte. Freude pur und ein dreißig Sekunden pro Minute schnelleres Tempo sind die Folge.

Aber bald steht die erste Entscheidung an, wurzelig und langsam durch den schattigen Wald oder schottrig und trotzdem zügig weiter geradeaus?

Egal, denn bald kommt der Bach mit den weit in den Weg hängenden Zweigen der Trauerweide, Mist, da habe ich wieder nicht dran gedacht!

Das schönste Stück schließt sich zum Glück gleich an, eine Allee mit Blick in die Berge; den Biergarten, der da auch ist, merke ich mir für später! (Aktion Rettet das Semikolon!)

Dummerweise spielt da gerade eine Band, womöglich sogar G.Rag und die Landlergschwister, also schnell eine Halbe getrunken, zugehört und dann weiter auf dem Feldweg mit Gras in der Mitte zwischen den beiden Fahrspuren. Gras? Okay, Gras auch, aber was ist das noch alles? Löwenzahn, Wegerich, klar. Eine etwas mickrige Königskerze. Knöterich, ein Ziegelstein, hupsa.

Was war? Ach, der Schafstall und gleich danach die zu querende Bundesstraße, ich bin wieder ganz aufmerksam, weil ich da noch öfter drüber will.

Nicht nur, weil die Strecke da einfach weitergeht, sondern auch wegen des Brunnens im nächsten Dorf und dem dahinter beginnendem Eichenwald. Wer schon mal dabei war, weiß, wie schön es da ist.

Jetzt sind wir schon knapp zehn Kilometer gelaufen und haben noch nicht einmal die Hälfte der schönsten Stellen gesehen – wisst ihr jetzt, warum ich so gerne etwas länger laufe?

2 Gedanken zu „Meine liebste Laufstrecke

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